Spiel am Samstagnachmittag
Sinnend betrachtete sie ihn, wie er gut verpackt auf dem Sofa saß. Vor ihm, auf dem Wohnzimmertisch, standen noch sein Bier und die Erdnüsse. Im Hintergrund lief der Fernseher. Eigentlich hatte sie etwas völlig anderes vorgehabt, aber dann hatte er sie so gereizt und provoziert, dass sie einfach nicht anderes konnte: Sie musste ihm zeigen, wo die Grenzen waren!
Sein ganzer Köper war angespannt, was nicht nur an den Seilen lag. Nein, dafür kannte sie ihn zu gut! Das waren Wut und Zorn, die ihn beben ließen. Zu gerne hätte sie seine blitzenden Augen gesehen, aber die waren hinter einer Augenmaske versteckt. So musste sie sich mit seiner Mimik begnügen, die ihr aber auch genug Vergnügen bereitete. Zu gerne hätte sie ihm kleine, lüsternde Gemeinheiten ins Ohr geflüstert, aber die waren mit Oropax verschlossen. Dass in seinem Mund ein Knebel steckte, bedauerte sie hingegen nicht. Seine wüsten Flüche und Beschimpfungen amüsierten sie zwar, lenkten sie aber letztlich zu sehr ab.
Damit hatte er nicht gerechnet, nein, damit nicht. Dem Fesseln hatte er sich noch freiwillig unterworfen, als er aber bewegungsunfähig war und Augenmaske, Oropax sowie Knebel sah, hatte sein Gezeter begonnen. Sie hatte es ignoriert und ihm als allererstes den Knebel in den Mund gestopft.
Nun blickte sie zum Fernseher, schaute auf die Uhr und beobachtete grinsend den Anpfiff. 15.30 Uhr, Werder Bremen gegen Bayern München. Zur zweiten Halbzeit würde sie ihm die Augenbinde abnehmen. Ohne Brille würde er eh nur Schemen sehen. Sie war sich sicher, so schnell würde er sie nicht mehr als fantasielose Sadistin bezeichnen.