Romantisch
geschrieben von Albatros am 12.8.2009 für das Forum Romantische Dominanz


Romantisch wird von den meisten mit wunderschönen Ereignissen und Erlebnissen in Verbindung gebracht. Erlebnisse die sich fest in unser Gedächtnis eingebrannt haben oder das eigene Gefühl ansprechen, sei es nun der erste Kuss, ein schöner Sonnenuntergang, eine lodernde Kerze oder ein wundervoller Wald. Das alles empfinden wir als etwas Besonders, weil wir es als eine Gesamtheit erlebten. Dieses träumerisch Sentimentale spricht nicht nur das Sinnliche sondern auch das geistige Gefühl an. Es wirkt stimmungsvoll, interessant, bezaubernd, anregend wie auch erregend.
Genau damit dieser Gesamtheit befasste sich eine ganze Epoche in der Kunst, die sich direkt Romantik nannte. Sie nahm nicht wie ihre Vorgänger die Antike zum Vorbild, sondern griff auf das Hiesige das Romanische zurück. Ihr Ziel war es die Risse die quer durch den Alltag und Gesellschaft ging zu heilen und die einzelnen Teile wieder mit einander zu verbinden. Das in der Zeit der napoleonischen Kriege, in einer Zeit zum Einen der Hoffnung auf grundlegende Erneuerung und nationaler Findung, zum Anderen der beginnenden Restaurierung alter überholter Strukturen nach dem Sieg über Napoleon. Vor allem war die Romantik nicht durch irgendwelche Formen festgelegt. Nein es ging mehr darum, was hinter dem Werk steht. Also Inhalt und Form zu einem passenden Ganzen zu formen. Dabei wurden die ganze Breite der Formenvielfalt benutzt und es gab kaum Begrenzung der Mittel. Wobei der Inhalt die Stilmittel und Formen bestimmte. So wurde oft das Stilmittel des Realen unter Zuhilfenahme von Phantastischen bis Bizarrem erweitert. Einige diese Künstler spielten auch mit dem Bild des Vergehenden, der Sehnsucht des Unerreichbaren und der Perfektion. Dabei sollte mit Hilfe der Kunst ein neues Lebens- und Naturgefühl transportiert werden.
Was könnte nun Romantisch mit BDSM verbinden? Entweder nichts oder sehr sehr viel. Es kommt immer auf die beteiligten Partner an. Für viele Menschen ist es undenkbar eine romantische Stimmung aufzubauen, etwa mit Kerzen, leiser Musik, schönen Duft, und dann dem Partner Schmerzen zuzufügen oder ihn zu erniedrigen. Aber es gibt auch Menschen für die wird das Erlebnis erst damit zu einem besonderen Erlebnis, was sich tief und angenehm in ihre Erinnerungen einbrennt. Womit wir wieder bei dem wichtigsten Grundsatz der Romantik wären der Gesamtheit. Es sollte beim BDSM wie bei jeder anderen Art der Sexualität eine Grundvoraussetzung sein. Es geht nicht darum eine Nummer oder Session durchzuziehen. Sondern es ist immer ein Geben an den Partner. Dieses Geben kann aber nur gelingen, wenn der Partner in der Lage ist die Gabe auch für sich anzunehmen und sich daran zu erfreuen. Dabei ist es völlig egal ob man es als Liebe, Zuneigung oder Wertschätzung empfindet. Auch ob es für Einmal geplant ist oder sich beide schon auf das nächste Mal freuen. Immer steht einem ein ganzer Mensch gegenüber. Das mit all seinen Wünschen, seinen sexuellen Neigungen, seinen Erwartungen an sich und den Partner aber auch seinen Erfahrungen und Ängsten. Und darauf müssen beide gegeneinander eingehen, damit es für beide ein unvergessliches Erlebnis, also ein Ganzes wird.
Wenn jemand mit diesen Worten nichts anfangen weiß, ist das nicht so schlimm. Ich hoffe zumindest das man die Schönheit dieser Welt erkennen und erleben kann. Dieses Gefühl, was viele romantisch nennen, ist eine wundervolle Bereicherung unseres Lebens. Etwas wofür es sich zu Leben lohnt und was uns aus so manchem tiefen Tal herausholen kann. Was uns dabei hilft den Alltag mit seinen Problemen für ein paar schöne Minuten zu vergessen.
Vielleicht noch ein kleiner sehr privater Nebengedanke von mir. Ein Gedanke der sich auf die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren und dem Vergehenden bezieht. Man wird sich bewusst, dass man immer auf der Suche nach was Neuem ist. Aber auch das man es verlieren wird sobald man es findet. Ein Gedanke der für mich immer mitschwingt. Der von vielen als traurig empfunden wird. Er hält uns gleichzeitig an, die Dinge bewusster wahrzunehmen und zu erleben. Ihnen den Raum in unseren Gedanken und Gefühlen zu schenken, der ihnen gebührt. Immer vor dem Hintergrund, dass es ein letztes Mal sein könnte und doch zu wissen, da es immer ein danach gibt. Das noch vieles auf uns wartet, egal ob wir es mögen oder auch nicht. Ein Gedanke der nicht nur auf Dinge sondern auch auf Menschen zutrifft.